Mt. Vinson 2010


Mount Vinson 4892 m
Höchster Berg der Antarktis
Unterwegs: Paul KOLLER
Organisation: Kobler & Partner
Zeit: 28.11- 20.12.2010
Gipfelsieg und Abschluss des Seven Summits Projekts
Während unserer heimeligen Adventszeit begab sich Paul in die extreme Kälte und absolute Abgeschiedenheit des Vinson-Massivs.
Sein Ziel: Die Besteigung des Gipfels – und damit für ihn die Vervollständigung der Seven Summits.
Am Donnerstag, den 9. Dezember ist es ihm gelungen.
Die endlose, weiß glitzernde Welt der Antarktis breitete sich vor ihm aus!
A K T U E L L
Das Team ist in Punta Arenas gelandet.
Publiziert am Dienstag, 14. Dezember, 17. Tag | Rita
Ein glückliches Team ist in der Nacht mit der Illjuschin von der Antarktis nach Südamerika geflogen. Zurück in der Zivilisation. Nach all den Strapazen und am Schluss sehr wenig Schlaf werden sie jetzt bestimmt das Hotel mit all seinen Annehmlichkeiten genießen.
Die Flüge nach Europa sind alle ausgebucht, so dass es wohl bei dem Rückflug am 19. Dezember bleiben wird.
Paul hat Bilder und einen Bericht vom 8.12. per E-Mail geschickt. Einige Bilder davon werde ich hier abbilden wie auch den Bericht ergänzen. Das war der Aufstieg ins High Camp / Hochlager 2.
Ja, und gleichzeitig verabschiede ich mich an dieser Stelle. Ein abschließender Bericht mit bestimmt tollen Fotos kommt dann von Paul, wenn er wieder zuhause ist. Es hat mir Spaß gemacht, das eisige Abenteuer mit Euch zu teilen. Vielen Dank fürs Dabeisein, teilweise Mitfiebern und Däumchen drücken.
Ich wünsche Euch noch eine schöne Adventszeit, frohe Weihnachten und alles Gute für 2011!
- Eure Rita -
Juchhuuu, mein Paul ist bald wieder heil daheim - und bestimmt voller Tatendrang für neue Abenteuer :-)
Warten am Union Glacier
Publiziert am Montag, 13. Dezember, 16. Tag | Rita
Kleine Zwischenmeldung per Satellitentelefon von Paul:
Sie sind nach wie vor in der Antarktis. Um Punta Arenas in Chile wirbelt grad ein Sturm von 120 km/h. In der nächsten Stunde wird sich entscheiden, ob heute noch ein Flieger nach Punta Arenas geht. Die Chancen stehen 50:50. Sollte ein Flieger gehen, ist dennoch nicht klar, ob unser Team mit fliegen kann, da inzwischen wesentlich mehr Menschen mit möchten, wie der Flieger Platz hat.
Sollten Paul und seine Mitstreiter nicht dabei sein, ist die nächste Chance erst am 16. Dezember gegeben.
Ich weiß, was ich jetzt wünsche :-)
Bis bald
- Eure Rita -
Union Glacier erreicht
Publiziert am Sonntag, 12. Dezember, 15. Tag | Rita
Paul hat sich heute abend per Sat.telefon gemeldet.
In den letzten drei Tagen ist es dem Team gelungen, vom Gipfel des Mt. Vinson über die beiden Hochlager runter ins Basislager zu kommen - und vom Basislager mit dem Flieger zum Union Gletscher zu fliegen.
Hier bei der Union Glacier Airbase haben sie nun ihre Zelte aufgeschlagen und wenn das Wetter es gut mit ihnen meint, dann können Sie sogar morgen schon nach Südamerika fliegen. Nach Punta Arenas.
Kein tagelanges Warten im Basislager oder einer der Hochlager auf gutes Wetter - weder vor dem Aufstieg noch während oder nach dem Abstieg. Sensationelle Bedingungen am Gipfeltag. Da war jemand dem Team wirklich ganz ganz gut gesonnen! Das Team hat seinen Teil geleistet - und bis zur Erschöpfung gearbeitet.
Jetzt gehts nach Hause. Ist ja nicht so, als wenn wir hier keinen Schnee hätten ;-)
Einmal werde ich mich bestimmt noch melden. Spätestens dann, wenn Paul wieder gesund und froh in der Heimat zurück ist.
Bis dahin - alles Liebe
- Eure Rita -
Bis jetzt noch keine weitere Nachricht
Publiziert am Samstagabend, 11. Dezember, 14. Tag | Rita
An die lieben Menschen, die auf eine Zwischenmeldung warten: Ich warte auch noch. Seit vorgestern habe ich nichts mehr von Paul gehört. Vom Gipfel weg war geplant, so weit abzusteigen wie möglich. Sie wollten möglichst bald das Basislager erreichen, um vor der angekündigten Wetterverschlecherung den Flieger vom Basislager zum Union Glacier zu bekommen. Ein herausfordernder Plan.
Ich gehe fest davon aus, dass das Team vollauf mit der Rückreise beschäftigt ist. Sobald ich etwas weiß, werde ich natürlich hier berichten.
- Eure Rita -
Gipfelsieg!
Publiziert am Freitag, 10. Dezember, 13. Tag | Rita
Geschafft. Viermal Hurra! Gestern circa 21:00 Uhr unserer Zeit erreichte mich Pauls Anruf: Sie standen oben! Bei traumhaften Bedingungen. Null Wind, absolut wolkenfrei, knallblauer Himmel und das grenzenlos glitzernde Weiß der Antarktis zu Füßen.
Es muss gigantisch gewesen sein.
Ein ausführlicherer Bericht kommt von Paul, sobald er dazu kommt. Gestern hatten die Vier erst einmal vor, soweit abzusteigen wie möglich. Sie sind wohl alle dermaßen fit und trunken vor Freude über das Erlebte, dass sie laufen könnten, bis ans andere Ende der Welt :-)
Ich schicke jetzt erst einmal rauf in den Himmel ein tief aus dem Herzen kommendes DANKE - und runter ans südlichste Ende der Welt einen dicken
Herzlichen Glückwunsch!
Lager II auf 3990 m erreicht - und heute gleich weiter
Publiziert am Donnerstag, 09. Dezember, 12. Tag | Rita
Es ist unglaublich. Wetterglück, physisch fit und gut drauf: Das ist unser Team auf dem Weg zum höchsten Gipfel des kältesten Kontinents. Doch hört selbst. Paul hat sich gemeldet, während ich ohne Handy auf einem Tiroler Hausberg rum gelaufen bin:
hier gehts zu Paul aufs High Camp
Also. Alles an einem einzigen Tag hoch geschleppt ins High Camp - und dann auch noch am nächsten Tag gleich weiter. Das gute Wetter will gnadenlos genutzt werden.
Jetzt heißt es definitiv Däumchen halten für das nahe Gipfelglück.
Hoffentlich also bis ganz bald mit positiven Nachrichten!
- Eure Rita -
< Tagesbericht Mittwoch, 8.12.2010 von Paul >
Die Nacht war ruhig und ungewöhnlich hell. Die Sonne strahlte an unser gelbes Zelt.
Nur tief im Schlafsack war es angenehm dunkel und man konnte an Schlafen denken. Erst um circa 04:00 Uhr verschwand die Sonne hinter dem Mount Vinson und es wurde bissig kalt. Deshalb gehen die Bergsteiger hier spät schlafen und stehen spät auf. So können sie mit den ersten Sonnenstrahlen, die gegen 11:00 Uhr wieder die Zelte erreichen, in der wärmenden Sonne arbeiten und aufsteigen.
Auch wir hielten uns an diese Regel und brachen nach dem üblichen Müslifrühstück auf. Die Rucksäcke ließen sich kaum schultern, so schwer waren sie. Titus und Inge bemühten sich sehr, sich nichts anmerken zu lassen, als sie ihren Rucksack schulterten.
Wir seilten uns an und wanderten circa einen Kilometer das Tal nach hinten - zum Einstieg der von den ALE Bergführern angebrachten Fixseilen, die 700 Meter die Flanke hinauf reichen. Wir tauschten, gingen seilfrei los - nur mit dem Jümar am Fixseil gesichert.
Anfangs ging es noch etwas hektisch zu, da Ragma mit ihren Gästen von Amical nachfolgte. Es staute sich etwas und wir ließen Ragna und ihr Teilnehmer vorbei. Wir hatten Zeit und wollten uns nicht übernehmen. Noch dazu waren wir mit unseren schweren Rucksäcken langsamer als die Kollegin mit ihrer Gruppe. Ihr Plan war ein anderer als unserer: Sie wollten aufsteigen, um einen Teil der Ausrüstung ins High Camp zu tragen, danach wieder absteigen und im Low Camp schlafen.
Es war ein wunderbares Höherkommen. Der Schnee war pickelhart und der Tag war ein Geschenk. Keine Wolke trübte den Himmel. Perfekt für viele spektakuläre Fotos, die garantiert in den Wohnzimmern der Teilnehmer zu finden sein werden.
Etwa in der Mitte der Wand machten wir eine kleine Pause, um gestärkt den steileren Abschnitt begehen zu können. Ich stieg mit meinem Rucksack voraus und deponierte ihn oben am Ende der Fixseile. Danach stieg ich wieder hinunter, um Inge ihre Last - unsere Verpflegung - abzunehmen. Gemeinsam erreichten wir wieder den Ausstieg und nach einer weiteren Rast stiegen wir nun wieder gletschermäßig angeseilt bis ins High Camp - Lager 2.
Ein wunderschöner Platz. Einem Adlerhorst gleich - und eine ebene Fläche in der Größe eines Tennisplatzes. Es standen bereits einige Zelte da - nach Süden hin geschützt mit Schneemauern. Wir bauten im Schutz dieser Schneemauer unsere zwei Zelte auf und begannen unverzüglich mit dem Schneeschmelzen und Kochen. Stahlblau, wolkenlos und windstill war der Himmel, unter dem wir dann im Freien aßen. Der gewaltige Mount Shinn gegenüber schaute zu.
Nach einigen Fotoexkursionen rund ums Lager und Trinkflaschen vorbereiten für den kommenden Tag gingen wir gegen Mitternacht schlafen.
Nachricht aus Lager |
Publiziert am Mittwoch, 08. Dezember, 11. Tag | Rita
Es gibt wohl einiges zu tun im Lager. Dennoch hat Paul es geschafft, eine ausführliche E-Mail zu schicken. Außerdem schaut es nach einem baldigen Gipfelsturm aus. Doch der Reihe nach. Hier ist erst mal die Mail von letzter Nacht:
07.12.2010 < E-Nachricht von Paul >
Seit der letzten Nachricht ist hier oben im Lager folgendes geschehen:
Gestern Nachmittag hat der Wind nachgelassen und wir konnten uns wieder draußen bewegen. Da unsere Zelte ja nur provosorisch aufgestellt waren, mussten wir jetzt eine Schneemauer rund um die Zelte bauen. Die bei Basecamp in München gekaufte Spezialsäge bewährte sich extrem gut. Ratzfatz waren die Blöcke für die Schneemauer aus dem Boden geschnitten. Alle Teilnehmer waren sehr engagiert und stapelten die Blöcke zu einer gigantischen Mauer, der sicher auch der stärkste Sturm nichts anhaben konnte.
Parallel zu uns baute die Gruppe von AMICAL ihre Zelte auf und verlängerte die Mauer. Da ich am McKinley erlebt habe, wie uns in der Nacht die Schneeblöcke um die Ohren flogen, legte ich Wert auf eine solide Ausführung. Alle hatten Freude an dem Bauwerk und werden sicher besser schlafen als letzte Nacht.
Gegen Abend wurde es dann noch richtig schön. Die Sonne kam hinter den Wolken hervor und erwärmte die Seite unseres Lagers. Erstmals konnte ich mich dazu aufraffen, einige Bilder von unserem Lagerplatz zu machen. Ich schwärmte etwas aus und betrachtete die 2000 Meter hohen Wände, die da vor uns standen. Ich verlor einen Augenblick meine Gedanken in die Linien, von denen ich mir ausmalte, sie zu klettern.
Wir beschlossen, am nächsten Tag einen Aufstieg ins High Camp zu machen, falls es das Wetter zulassen sollte. Doch der Wetterbericht war für die nächsten Tage nicht ganz so gut. Immer noch Wind und extreme Kälte wurden prognostiziert.
Am späten Abend luden wir noch zur Cappuccino Party. Eine Amerikanerin mit deutschen Wurzeln freute sich, endlich wieder einmal deutsch zu sprechen. Auch die Bergführerin Ragna, die mit der Amical Gruppe unterwegs war, besuchte uns. Später kam noch eine Teilnehmerin von ihr dazu. Es wurde eng im Zelt, aber irgendwie ging es schon und machte riesig Spaß, sich so auszutauschen. Wir plauderten über die Berge der Welt und alles was so dazwischen liegt. Erst so gegen 01:30 Uhr krochen wir in den Schlafsack - es war immer noch taghell und die Sonne erhellte das gelbe Zelt.
7.12.2010
Der erste Blick hinaus aus dem Zelt sagte, dass dies noch nicht der richtige Tag war, um das nächste Lager einzurichten. Schneefahnen und scharfkantige Strömungswolken zeigten sich am Grat. Wir blieben im Lager. Verbesserten dies und das, machten kleinere Reparaturen - und versuchten, von den Meteorologen eine aussagekräftige Prognose für die nächsten Tage zu erhalten. Sie gaben uns für Donnerstag und Freitag diese Woche eine gute Vorschau, die wir nützen sollten.
Vor dem Hintergrund, am Mittwoch, den 8.12. ins High Camp aufzusteigen, begannen wir, unsere Ausrüstung zu sortieren, Verpflegung einzuteilen u.s.w.
Inge und Titus bildeten eine Seilschaft und machten einen kleinen Ausflug nach hinten - ans Ende des Tales. Mischu und ich kümmerten uns derweil um die Zusammenstellung der Lagerausrüstung, die wir hoch tragen werden.
Dann war eine Essens- und Trinkpause angesagt. Wir liegen alle im Zelt und beobachten den Aufmarsch der Gruppen, die jetzt vom Base Camp aus das Lager 1 erreichen. Da wird es in den nächten Tagen eng werden - oben im High Camp beziehungsweise am Gipfel.
Um 19:40 Uhr werden wir unseren Pflichtfunk an das Base Camp abgeben. Eine kurze Information, wie es uns geht, wo wir sind und was wir vorhaben.
Wir werden dann bald schlafen gehen, um für den Aufstieg ins High Camp fit zu sein.
Liebe Grüße
Paul
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Oha. Jetzt wird es langsam spannend. Während ich hier in gemütlicher Adventsstimmung in die Tasten klopfe, ist unser Team wahrscheinlich gerade an der eisigen Steilflanke zugange. Leider erhält Paul meine Mails nicht - die eigensinnige Technik macht uns ein Strich durch diese Rechnung. Die Kommunikation ist also recht einseitig. Bleibt nur eines: In Gedanken ganz fest dabei sein - und Daumen drücken! - Rita -
Leben auf Lager I
Publiziert am Dienstag, 07. Dezember, 10. Tag | Rita
Heute musste ich mich an meiner Nase packen: Paul hatte gestern auf den Anrufbeantworter gesprochen und ich habe es erst heute abend gesehen. Okay - dafür habe ich mich jetzt ins Zeug gelegt - und es gibt seine Message zum Abhören.
Hier gehts zu Paul in die Antarktis
Lager I auf 2800 m erreicht
Publiziert am Montag, 06. Dezember, 9. Tag | Rita
06.12.2010 < E-Nachricht von Paul >
Gestern - am 5.12.2010 - haben wir unsere Sachen vom Basislager zum ersten Hochlager auf 2800 Meter geschleppt. Anfangs machte uns noch die Sonnenstrahlung zu schaffen, doch bald wurde es diffus und Nebel zog von den Eisflächen herauf.
Da wir spät gestartet sind, kamen wir auch erst spät an. Da machte eigentlich nichts, da es ja ohnehin 24 Stunden hell ist. Dieses Lager hat auch noch bis Mitternacht Sonne - wenn sie da wäre. Uns empfing jedoch ein böiger, kalter Wind aus allen Richtungen. Schnee wurde auf gepeitscht und es war nicht einfach, im Wind die Zelte auf zu stellen. Immer wieder flogen Ausrüstungsteile durch die Luft. Gott sei Dank konnten wir alles wieder einsammeln. Wir befestigten unsere zwei Zelte sehr gut im harten Schnee. Für Schneemauern hatten wir keine Zeit mehr - das verschoben wir auf den nächsten Morgen.
Jetzt war es erst mal wichtig, in die Zelte zu gehen, um Windschutz zu haben. Wir beschlossen, auch Titus und Inge in unser Zelt zu holen und gemeinsam zu kochen. Es war etwas eng, aber es ging gut - und schnell kamen wir wieder zu Kräften.
Als Belohnung des Tages freute sich jeder auf den warmen Schlafsack. Der Tag ging für mich um 0:20 Uhr zu Ende.
06.12.2010
Die Nacht über blies der Wind böig weiter. Die Sicht war diffus. Wir schliefen also bis Mittag im wohlig warmen Schlafsack.
Mischu telefoniert gerade mit der Schweiz und versucht, einen besseren Wetterbericht zu bekommen. Momentan und für die nächsten Tage schaut es nicht so gut aus.
Es ist jetzt 12:31 Uhr (MEZ 16:35 Uhr). Es hat -10°C im Zelt und ich beende die Nachricht, da mir in den Fingern kalt wird.
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So. Das waren erst mal die Nachrichten aus dem Vinson Massiv. Es ist dem Team zu wünschen, dass bald eine Schönwetterperiode kommt. Dann kann es weiter gehen zum zweiten Hochlager auf 3000 m. Die technische Schlüsselstelle des Mt. Vinson befindet sich zwischen den beiden Lagern, wo die Besteigung über einen Pfeiler führt - entschärft mit Fixseilen.
Bis bald - Rita -
Ankunft im Basislager - am Fuß des Mt. Vinson
Publiziert am Sonntag, 05. Dezember, 8. Tag | Rita
Während ich im warmen Bett schlief, fand eine Mail von Paul zielgerichtet ihren Weg durchs World Wide Web. 22:50 Uhr Ortszeit am Basislager - MEZ 2:50 Uhr
Hier ist sie:

04.12.2010 < Nachricht von Paul >
Liebe Rita, liebe Freunde, die auf Nachricht von mir warten,
Flugverzögerungen wegen dem rasch wechselnden Wetter sind hier an der Tagesordnung. Schon am frühen Morgen, als wir vor das Zelt schauten, war klar, dass um 08:00 Uhr kein Flug gehen würde. Es war neblig.
Beim Frühstück wurde durch das ALE Management für 10:00 Uhr eine neue Besprechung wegen dem Wetter angesetzt. Auch um 10:00 Uhr kein Flugwetter. Die Zeit verstrich, bis es plötzlich am frühen Nachmittag etwas hektisch wurde: Die "Twin Otter" fliegt die ersten acht Männer zum Basislager. Darunter das Team um Andy Holzer, dem blinden Alpinisten aus Osttirol.
Für uns war weiteres Warten angesagt. Wir waren erst in der 4. Gruppe geplant - das heißt, mindestens später Nachmittag. Plötzlich eine neue Meldung: Die Twin Otter Piloten hatten einen Landeplatz gefunden, an dem auch die etwas größere Basler Maschine in der Nähe des Vinson landen und Leute absetzen kann. Dadurch rutschten wir jetzt an die nächste Stelle der Twin Otter Maschine, die gerade hereinkam.
Innerhalb von einer halben Stunde war unser Lager abgebaut und wir waren startbereit. Endlich flogen wir die letzte Etappe zum Vinson. Eigentlich könnte dies ein sehr schöner Flug sein, doch der Nebel hängte tief und wir sahen fast gar nichts. "Wie wohl die Piloten das machten?" fragten wir uns. Dann wurde es plötzlich besser, die Sonne kam durch und der Nebel lichtete sich.
Gigantische Gletscher und Eisbrüche waren zu sehen - und die ersten wirklich hohen Berge zeigten sich. Dann setzten die Piloten zur Landung an. Es war fast einem Aufprall gleich, als die Maschine den Boden berührte. Wir hoben nochmals ab und dann war das Aufsetzen nicht mehr zu spüren. Sanft glitt die Maschine aus und wir konnten aussteigen.
Etwa zehn Zelte standen bereits - von Alpinisten, die seit mehreren Tagen versuchen, den Berg zu besteigen. Schnell fanden wir einen geeigneten Platz, um unsere Zelte aufzubauen. Wir richteten uns ein und begannen mit dem Schneeschmelzen. Es hatte genau -16°C und es war windstill.
Zum Abendessen bereiteten wir uns Spaghetti und Tee. Als die Sonne sich wieder etwas im Nebel vesteckte, krochen wir in unsere Schlafsäcke, um uns zu wärmen. Inzwischen war es auf unter -20°C abgekühlt.
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Es passt alles. Wir haben Freude und Spaß und freuen uns schon auf morgen - endlich wieder aus eigener Kraft höher zu steigen.
Viele Grüße an alle, die zuhause sind, auch besonders an die Famiien, die auf unsere Nachrichten warten.
Angekommen in der Antarktis
Publiziert am Samstag, 04. Dezember, 7. Tag - Mittag | Rita
Es dauerte dann doch noch etwas länger, bis es von Punta Arenas weiter in die Antarktis ging.
Doch nun ist es soweit. Hier ist Pauls erste Mail vom südlichsten und kältesten Kontinent der Erde:
03.12.2010 < Nachricht von Paul >
Nach einer moderaten Wartezeit in Punta Arenas kam um 02:00 Uhr das Signal zum Flug. Mit dem Bus ging es zum Flughafen, wo das Prozedere wesentlich schneller ging als letztes Jahr in Kapstadt. Um 05:00 Uhr hob die Iljuschin 76 ab. Ein fensterloses Flugzeg, das mit wenigen Adaptierungen vom Frachtflugzeug zum Passagier- und Frachtflugzeug umgebaut wurde.
Die Piloten setzten um 9:00 Uhr eine Traumlandung hin - auf der neuen Base am Union Glacier. Die Landung war so sanft, dass wir sie gar nicht mitbekommen haben. Sie erfolgte am blanken Eis und nur durch Schubumkehr kann so ein Monsterflieger bremsen und stehen bleiben.
Endlich "Antarktisboden" unter den Füßen. Ein besonderer Augenblick. Ein unbeschreibliches Gefühl. Einfach großartig.
Das Blankeis war glashart und wir mussten aufpassen, dass wir nicht ausrutschten. Das Wetter war etwas diffus und die Temperaturen mit circa -10°C moderat. Wir wurden vom Runway ins Airbase gefahren - 8 km mit Spezial-Schneefahrzeugen.
Im Camp gab es einen Welcome-Tee und auch gleich die Ankündigung, dass wir um 14:00 Uhr sehr wahrscheinlich noch ins Vinson Base Camp geflogen würden. Wir warteten. Doch anstatt zu starten, wurden die Flüge für diesen Tag gecancelt, weil im Vinson Base Cam die Sichtverhältnisse schlecht sind. Neuer Versuch wird am kommenden Morgen sein.
Wir bauten also unser Lager auf und verwendeten die Zeit bis zum Abendessen in verschiedensten Richtungen: Lager erkunden, Fotografieren oder mit den Leuten quatschen. Zufälligerweise traf ich den Piloten wieder, der uns letztes Jahr auf die Fenristunga geflogen hatte. Wie klein ist doch die Welt.
........
"Liebe Rita, ich hoffe, Du kannst mit diesen Informationen etwas anfangen. Es wäre mir recht, wenn Du den Text kurz halten kannst, da ich hoffe, noch weitere Berichte senden zu können." (...)
Ich habe am Text nicht viel gekürzt. Was hätte ich weg lassen sollen? ;-)
- Rita -
Statusmeldungen aus Punta Arenas
Publiziert am Samstag, 04. Dezember, 7. Tag - Vormittag | Rita
Paul hat in den letzten Tagen brav weiter aus Punta Arenas berichtet. Im Hotel hatte er noch die Möglichkeit, Mails mittels seines Mini-Laptops zu schicken. Inzwischen ist er in der Antarktis gelandet und ich werde selbstverständlich umgehend alle Informationen hier einstellen, die ich von ihm per Satelittentelefon bekomme.
Jetzt erst mal die zwei Mails der letzten Tage:
02.12.2010 < E-Mail von Paul >
In der Nacht hätten wir fast zu brennen begonnen. Glücklicherweise habe ich den Gestank schnell bemerkt. Ein kleines Ladekabel, das für die Ladestation angefertigt wurde, war im Querschnitt zu schwach und hatte zu schmoren begonnen.
Nach dem Frühstück sind wir noch ein letztes Mal die Ausrüstung durch gegangen. Um 10:00 Uhr dann Briefing mit circa 45 Passagieren. Es sind auch einige dabei, die eine sogenannte Last Degree Expedition machen. Das heißt, sie fliegen bis zum letzten Breitengrad (89°) und gehen dann zu Fuß zum Südpol. Ich traf bekannte Gesichter, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte.
Um 15:30 Uhr wird unser Gepäck abgeholt und ab 18:00 Uhr werden wir - bereits in Antarktis-Kleidung - im Hotel auf den Shuttle warten.
Ich bin schon sehr gespannt, ob es klappt. Das Wetter dürfte noch (!) gut sein und die ALE möchte die Menschen jetzt in die Antarktis bringen, bevor es eventuell schlechter wird. Dies erkläre ich mir mit dem doch etwas früheren Aufbruch ins Eis.
Die nächste Nachricht werde ich dann wohl per Satelittentelefon aus der Antarktis senden.



01.12.2010 < E-Mail von Paul >
Unmittelbar nach dem Frühstück begannen wir mit der Zusammenstellung der Verpflegung. Alles wurde ausgepackt, um den Verpackungsmüll in Punta Arenas zu lassen. Wir sortierten die Nahrung in Ziplockbags. Das ist übersichtlich und spart enorm Platz. Es dauerte mehrere Stunden.
Dann gings an die Gruppen- u. persönliche Ausrüstung.
Am Nachmittag besuchten wir eine kleine Pinguin-Kolonie, die circa eine Autostunde entfernt auf der anderen Seite der Landzunge ist.
Die etwa 50 cm großen Magelanpinguine ließen sich gerne fotografieren. Es war aber so stürmisch an dieser Kolonie, dass wir bald wieder das geschützte Auto aufsuchten. Ein wirklich erster Vorgeschmack von dem, was uns in der Antarktis erwarten kann.
Danach gingen wir noch einmal gut essen. Irgendwie war der Tag doch anstrengend und wir krochen müde ins Bett.
Plan für den kommenden Tag:
10:00 Uhr generelles Briefing mit allen, die mit der Illushin in die Antarktis fliegen. Danach Wiegevorgang der Ausrüstung - und ab dem späteren Nachmittag: Standby für den Abflug.

30.11.2010 < E-Mail von Paul >
Der heutige Tag war noch der Organisation und dem Verpflegungseinkauf gewidmet.
Nach einem ausgiebigen Frühstück mit der dazu gehörigen Tagesbesprechung besuchten wir die ALE zum Vorstellungsgespräch. ALE bedeutet Antarktic Logistic Expedition.
Wir bekamen erste Informationen, wie die kommenden Tage zur Vorbereitung zu nutzen sind.
Der patagonische Sturm wütete bis gegen Mittag auch noch in Punta Arenas. Das Spazierengehen am Gehsteig war ein Balanceakt und dem Gang eines Betrunkenen gleich.
Es folgte der Verpflegungseinkauf und ein weiteres Guide-Meeting bei der ALE, das ich besuchte, während Mischu die Teilnehmer der Expedition vom Flughafen abholte.
Abends lernte ich dann bei einem Aperitif die weiteren Teilnehmer aus der Schweiz kennen. Gemeinsam gingen wir zum Abendessen und stellten fest, dass der Mischu sich - mit seinem Schweizerdeutsch - der deutsch/österreichischen Sprache anpassen musste. Inge sprach einen steirischen und Titus einen Münchner Dialekt.
Das Steak in dem feinen Restaurant der pulsierenden 130.000 Einwohnerstadt schmeckte ausgezeichnet - und mit der nötigen Bettschwere, verursacht durch (nur) zwei Bier, gingen wir schlafen.
Plan für den morgigen Tag, den 1.12.2010
- Verpflegung portionieren und auf die Personen aufteilen
- Ausrüstung reisefertig machen
- Pinguin Kolonie besichtige
Wetter soll gut werden die nächsten Tage.
Dienstag, 30. November, 3. Tag
Paul ist in Punta Arenas gelandet. Abendessen (°Zeitverschiebung°) mit seinem Paten-Onkel Sepp, der in Chile lebt, und dann erst mal schlafen.


29.11.2010 < E-Mail von Paul >
Der Flug über die Anden von Santiago war geil. Aconcagua und Marmolejo steckten in Wolken. Je weiter wir aber in den Süden flogen, desto besser wurde das Wetter - und wir erhofften uns einen Blick aus der Vogelperspektive auf die Pine Towers beziehungsweise den Fiz Roy. Diese Gegend macht seit jeher den Stürmen alle Ehre. Und so war es dann auch. Wir schwebten in Windstille in unserer Reisehöhe von 10 000 Meter dahin, während über das patagonische Land der übliche Sturm brauste. Von hier oben sahen wir nur die Oberfläche der beeindruckenden Wolkenformationen, die als gnadenloser Sturm zwischen den patagonischen Granitnadeln fegten.
In Punta Arenas wurde ich von meinem Onkel begrüßt, der seit vielen Jahren in Chile lebt. Er war extra nach Punta Arenas geflogen, um mit mir - seit sicher 20 Jahren - wieder einmal ausgiebig zu plaudern.
Im Hotel lernte ich Mischu Wirth kennen, mit dem ich zusammen die nächsten Tage in der Antarktis verbringen werde. Mischu ist Bergführer aus der Schweiz und im Auftrag von Kobler & Partner engagiert, um zwei Teilnehmer zum Mt. Vinson zu begleiten.
Montag, 29. November, 2. Tag
Santiago de Chile. Flughafen. Eigentlich sollte es gleich weiter nach Punta Arenas gehen. Ungünstige Wetterbedingungen. Anschlussflug verpasst. So wird die Zeit in Punta Arenas etwas kürzer ausfallen. Dort wird das Briefing durch den Flugoperator und ein letzter Check des gesamten Materials stattfinden. Die eigentlich geplanten Erkundigungen der südlichsten chilenischen Stadt und ein Besuch der nahe gelegenen Pinguina (Ort, an dem Pinguine gebären) werden sich dann wohl nicht mehr ausgehen.
20:00 Uhr unserer Zeit: Flug von Santiago de Chile nach Punta Arenas wurde gerade wieder verschoben. Grund unbekannt. Mal schauen, wann unser Paul in Punta Arenas ankommt.
Sonntag, 28. November, 1. Tag
Paul ist gestartet. Flughafen München. Bis auf ein paar Kilo Übergepäck - die Seile und Eisschrauben schlagen wohl zu Buche - ist alles glatt gegangen. Sein erstes Ziel: Punta Arenas. Der Süden Chiles.














