Elbrus 2009
Elbrus 25.4. - 3.5.2009
Bericht: Paul KOLLER
Ursprünglich hatten wir eine Schiabfahrt vom Elbrus geplant - letztlich waren wir froh, den Gipfel überhaupt erreicht zu haben.
Das Wetter war zu Beginn der Woche als wir uns am Chegetkamm akklimatisierten, erstklassig, jedoch sehr kalt in der Höhe. Als wir dann auf die Barrelhütten wechselten, stellte sich das Wetter um. Immer wieder zogen Schneeschauer durch und hinterließen jede Menge Neuschnee. An ein Gipfelwetter war nicht wirklich zu denken. Wir setzten unser Akklimatisierung am Berg fort und stiegen bei schwachem Schneesturm bis über die Pastukhova Rocks hinauf. Blankes, spiegelglattes Eis betraten wir schon weit unterhalb dieser Felsen. Erst ab dem Beginn der Traverse kamen wir auf Schnee. Ein Abfahren mit Schi über diese Blankeisstellen ist nicht möglich, daher ließen wir diese schon weit unterhalb zurück.
Am Donnerstag - trotz ungünstigem Wetter - machten Gerold Vonbank und Andreas Wawrla einen ersten Anlauf zum Gipfel. Beide waren in erstklassiger Verfassung. Sie holten - obwohl sie später gestartet sind - bald einen russischen Bergführer mit zwei Österreichern (Irmgard und Andreas) ein und übernahmen die Spurarbeit. Beide waren wegen dem Schneesturm im Sattel eher beim Umkehren, als zum Gipfel aufzusteigen. Doch der russische Bergführer kannte dort oben eine Gletscherspalte, in die sie hinabkletterten und so – geschätzt vor dem Schneesturm - rasten konnten. Dort fiel die Entscheidung, doch weiter zum Gipfel aufzusteigen. Sie erreichten diesen im Schneesturm und manchmal schien es, dass sich die Wolkendecke über Ihnen aufmachte. Als die fünf Mann gegen 16:00 Uhr noch nicht zurück waren und wir keinen Kontakt zu ihnen hatten, machten wir uns etwas Sorgen und beschlossen, eine Bereitschaft von Einsatzkräften herzustellen. Ich setzte ein Limit bis 18:00 Uhr - sollten die Kameraden bis dahin nicht zurück sein, würde eine gut ausgerüstete Suchmannschaft starten. Kurz vor 18:00 Uhr kamen dann doch alle gesund zurück – wir waren alle erleichtert und ich konnte die Bereitschaft der Suchmannschaft aufheben.
Aufgrund des auch von Karl Gabl aus Innsbruck weiterhin prognostizierten schlechten Wetters warteten wir noch den Freitag ab und vertrauten auf die Prognose aus Innsbruck, dass der Samstag zwar windig, aber sonnig werden würde.
So drückten wir und den Freitag noch in den Schlafsäcken herum. Gegen Nachmittag wurde es besser und der Elbrus zeigte sich im tief verschneiten Kleid. Die Blankeispassagen waren deutlich kleiner geworden und daher entschieden wir uns, bis auf Fritz Berendsen, die Schier mit hinauf zu nehmen.
Um 03:00 Uhr starteten wir bei eisiger Kälte und starkem Wind mit Unterstützung des Pistengeräts hinauf zu den Pastukhova Rocks. Auch Gerold und Andreas waren nochmals dabei um den Gipfel bei besserem Wetter zu sehen. In der Dunkelheit waren beide bald nur mehr an den rasch vorwärtskommenden Stirnlampen zu erkennen. Fritz Berendsen, Philipp Braschl und Adrian Faulkner und ich gingen gemeinsam. Eingemummt in die gesamte Kleidung, die wir dabei hatten trotzten wir dem eisigen Wind. Die Sonne ging auf als wir schon in der Traverse waren. Phantastisch erstrahlte die Umgebung im roten Licht. Ein Schauspiel das nur wenige Minuten dauerte. Fritz wurde das Tempo zu langsam – ihm wurde kalt. Er wollte schneller gehen und setzte sich langsam ab. Philipp folgte Ihm. Da Adrian erstmalig eine solche Tour unternahm, ging ich mit ihm in langsameren Tempo weiter. Wir erreichten den Sattel zwischen Ost und Westgipfel. Fritz war schon im Gipfelhang als Gerold und Andreas wieder vom Gipfel herunterkamen. Philipp ließ nun die Schier zurück um leichter zu sein und folgte Fritz zum Gipfel - den sie auch beide nacheinander erreichten. Philipp und ich folgten Ihnen nun auch ohne Schier. Doch mitten im Gipfelhang, vielleicht 100 Meter unterhalb des Gipfels war für Adrian Schluss. Er war durch die Höhe und Kälte angeschlagen und ich wollte Ihn nicht alleine absteigen lassen. Also verzichtete auch ich auf die letzten Meter zum Gipfel. Am Sattel warteten Gerold und Andreas auf uns. Als wir sie erreichten, kamen auch schon Fritz und Philipp vom Gipfel herunter.
Nach einer kurzen gemeinsamen Rast schnallten wir die Schier an und fuhren langsam durch die meterhohen Windgangeln hinunter. Fritz stieg mit den Steigeisen alleine ab. Der Wind hatte ganze Arbeit geleistet und die Blankeisstellen kamen wieder komplett zum Vorschein. Also mussten wir von den Schiern wieder auf die Steigeisen wechseln und abklettern. Erst unterhalb der Pastukhova Rocks war es wieder möglich, mit den Schiern weiter abzufahren. Durch dieses Wechseln der Abstiegstechnik war Fritz sogar schneller unten als wir. Im Bereich der Priut Hütte holten wir Fritz wieder ein und von da ab fuhren wir auch im windgeschützten Bereich über herrliche Tiefschneehänge zurück zu den Barrel Huts. Dort packten wir schnell unsere Ausrüstung zusammen und fuhren ins Tal, wo der Gipfel-Vodka auf uns wartete.
Alles in allem waren wir glücklich, am letzten Tag doch noch auf den Gipfel gekommen zu sein und nahmen viele schöne Eindrücke und eine nette Freundschaft mit nach Hause.
