Aconcagua 2005
Aconcagua 6.962 m, Dezember 2005
Unterwegs: Verena Fütterer, Paul Koller
Bericht: Paul Koller
Nach einer abenteuerlichen Anreise zur Vorbereitungswoche im Valle Maipo - südlich von Santiago - empfing uns der Volcan San Jose (5.880 m) mit reichlich Neuschnee. In 24 Stunden fielen an die 70 cm von der weißen Pracht, die wir eigentlich gar nicht brauchten. Den ließen wir erst einmal sich setzen, bevor wir weiter aufstiegen. Von unserem Ausgangslager in 4400 m starteten wir in einem nächtlichen Aufstieg über die steilen Schneefelder der aperen Gipfelkuppe entgegen. Im Morgenlicht erreichten wir den Gipfel. Ein starker Höhensturm zog uns aber die letzte Wärme aus dem Körper und wir fanden keinen geeigneten Felsbrocken, der groß genug gewesen wäre, um uns etwas vor dem Wind zu schützen. Deswegen blieben wir nicht lange und stiegen in unser Camp ab. Die Ruhe und Einsamkeit hier gefiel uns, und da wir uns zum Akklimatisieren zu diesem Berg begeben hatten, blieben wir noch zwei weitere Tage auf dem Lager in 4400 m Höhe. Wir aßen unsere mühsam hinauf getragenen Nahrungsmittel und kehrten nach sehr schönen Tagen in die hektische Stadt Santiago zurück.
Die Fahrt hinüber nach Mendoza war sehr interessant. Die geologischen Feinheiten der Gebirgsschluchten zeigten sich in gewaltigen Verwerfungen und Faltungen. Zwei Tage blieben wir in Mendoza, um die Besorgungen für den Aconcagua zu machen.
Der Aufstieg ins Basislager stellte kein Problem dar. Wir waren bestens vorbereitet. Vorbei an einem stark vorschiebenden Gletscher, der bereits das alte Lager Confluencia erreicht hatte, wanderten wir ins Tal bis zum Basislager Plaza de Mulas, das wir am 4.12.2005 erreichten. Das Wetter war sehr windig und wechselhaft und erlaubte keinen Aufstieg am nächsten Tag. Dann wurde das Wetter gut und wir transportierten Material hinauf bis Nido de Condores in 5500 m. Doch schon am Abend schlug das Wetter neuerlich um und wir verbrachten eine ungemütliche Nacht. Immer wieder schreckten wir auf, wenn eine starke Böe an unseren Zelten rüttelte. Viele Geschichten von zerfetzten Zelten kannten wir und wir konnten es uns bildlich vorstellen.
Doch alles ging gut und am Morgen stiegen wir im nachlassenden Schneesturm wieder ab. Das Zelt packten wir zusammen und beschwerten es mit Steinen. Zwei Tage später war das Wetter perfekt und die ersten zusammenhängenden Schönwettertage wurden prognostiziert. Wir stiegen über die gewaltigen Schutthänge hinauf bis Ref. Berlin. Dort auf knapp 6000 Meter nächtigten wir. Ein Schneeschauer am Abend legte nochmals an die 20 cm Schnee über die Felsen, hörte aber bald auf. Die Nacht war kurz und kalt. Gegen Mitternacht begann ich mit dem Schneeschmelzen und so gegen drei Uhr morgens waren wir bereits draußen und spurten aufwärts.
Anfangs waren wir noch allein. Die Spurarbeit und das Suchen des Weges im Schein der Stirnlampe ließ uns langsam vorwärtskommen. An der langen Traverse hinein in die Canaletta wurde es hell und nun konnten wir den Spuren folgen, die drei Italiener vor uns machten. Sehr mühselig waren die letzten 200 Meter hinauf zum Gipfel. Anraum auf den Felsen erschwerte das Haltsuchen für den nächsten Schritt. Noch ca. 50 Meter waren es bis zu dem Gipfel, als die Kraft von Verena deutlich nach ließ. Sie schien ihre körperliche Belastungsgrenze erreicht zu haben. Doch nach einigen Minuten Pause und einem motivierenden Smalltalk mit Eric, einem anderen franz. Bergführer, der gerade zu uns aufschloss, raffte sie sich auf - und folgte mir auf den Gipfel. Alle erreichten wir am 10.12.2005 gegen 13.00 Uhr den höchsten Berg Südamerikas - bei strahlendem Wetter und herrlicher Aussicht. Wir freuten uns riesig und hielten uns sicher eine Stunde dort oben auf.
Während des Abstiegs erholte sich Verena schnell wieder und wir gelangten rasch nach unten. Nach einer weiteren Nacht auf 6000 m räumten wir das Lager und stiegen ins Basislager ab.
Für den Rückmarsch durch das 30 km lange Tal hinaus zum Parkeingang heuerten wir Maultiere an, die uns auf ihren Rücken hinaustrugen. Ein Erlebnis der besonderen Art - wollte ich doch schon immer einmal als junger Bursch Cowboy sein und durch die Lande reiten. Ein Erlebnis, das sich besonders im Flugzeug noch bemerkbar machte ... musste ich doch stundenlang auf meinem Sitz Platz nehmen - und das war nicht wirklich angenehm auf einem zerschundenen Hintern.
Bereits am Nachmittag des 14.12.2005 war ich wieder zu Hause - im inzwischen tief verschneiten Tirol.




